Natürlich barfuß

Warum wir barfuß besser durchs Leben kommen


Fundamentale Fakten

Wenn bei einem Haus das Fundament nicht Ordnung ist oder wegsackt, dann steht das Haus schief, bekommt Risse oder stürzt ein. So ist es auch mit unserem Körper.

 

Die Füße bilden das Fundament des Körpers, auf ihnen ruht unser gesamtes Gewicht. Sind die Füße nicht gesund, trainiert und richtig positioniert, so hat das Auswirkungen auf Knie, Hüftgelenke und den gesamten Rücken. Die köperliche Statik ist verschoben, was dauerhaft zu Fehlbelastungen und Dysbalancen und schließlich zu Schmerzen in Gelenken und Muskeln führt.

Im Laufe der Evolution haben sich die Füße des Menschen an den aufrechten Gang angepasst. Im forderen Teil berührt der gesamte Vorfuß mit allen Zehengelenken den Boden. In der Mitte setzt nur die Außenkante auf und hinten die ganze Ferse. So entsteht längs des Fußes ein leichter Bogen. Neben diesem Längsgewölbe gibt es im Vorfuß auch ein Quergewölbe, das vom Ballen bis zur Außenkante des Fußes zieht. Beide Fußgewölbe werden von Muskeln und Bändern unter Spannung gesetzt. Das hat zwei Vorteile:

  1. Die Fußgewölbe wirken wie Stoßdämpfer und federn das aufprallende Gewicht unseres Körpers ab. Dadurch werden die Gelenke in Fuß, Knie und Hüfte und auch die Wirbelsäule entlastet, weil wir nicht mit dem ganzen Gewicht dumpf aufschlagen.
  2. Beim Auftreten wird das Fußgewölbe zusammengedrückt und speichert Energie, die es dann wieder frei setzt - wie eine Feder, die zusammengedrückt wird. So tragen die Fußgewölbe dazu bei, uns in die Luft zu drücken. Wir bewegen uns »federnd« fort.

Unsere Füße sind also von Natur aus perfekt an das Gehen, Laufen und Springen angepasst. Besonders eindrucksvoll nachzulesen ist dies bei Daniel E. Lieberman [B6], einem Paläoanthropologen der Harvard University. Er ist bekannt für seine Forschung zur Evolution des Gehens, insbesondere des barfußgehens.


Sensible Rückmeldungen

Unsere Füße sind ausgesprochen sensibel. In ihnen befinden sich mehr Sinnesrezptoren als in unserem Gesicht. Die empfindlichen Sensoren liegen in den Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken und reagieren unterschiedlich auf Druck oder Verformung.

 

 - noch Baustelle, geht bald weiter -



Schuhe - unbequeme Wahrheiten

Schuhe sind eine tolle Erfindung: sie wärmen unsere Füße und schützen vor Verletzungen. Für viele Menschen sind sie außerdem ein geliebtes Modeaccessoir. Allerdings tun die meisten Schuhe unseren Füßen nicht gut.

 

Vier von zehn Schuhen, die Menschen tragen, sind zu klein. Carsten Stark ist ein Spezialist für Fußgesundheit. Er berichtet in seinem Buch »Füße gut, alles gut« [B7], dass 90 Prozent seiner Patientinnen mit zu kleinen Schuhen zu ihm in die Praxis kommen. Und das ist fatal. In zu kleinen Schuhen werden die Zehen vorne zusammen gequetscht oder eingekrallt. Beim Auftreten und Abrollen hat der Vorfuß keinen Platz und wird zusammengedrückt. Die Fußgewölbe können nicht richtig arbeiten und die Fläche, mit der die Füße Kontakt zum Boden haben, wird kleiner.

 

Eine Veränderung der Fußkontaktfläche hat Auswirkungen auf die Haltung beim Gehen: Eine größere Fußfläche sorgt für mehr Stabilität in den Knien. Je besser sich die Zehen gerade ausrichten können, desto besser ist der Verlauf der Beinachse. Der Gang wird stabiler und damit leichter und freier. Außerdem schädigt das Gequetsche in zu kleinen Schuhen das Fußgewebe und es entstehen Blasen, Hühneraugen und Hornhaut.

 

Aber auch wenn die Treter richtig passen sind die wenigsten Schuhe ein Segen für unsere Füße. In Absatzschuhen lastet das ganze Körpergewicht auf dem Vorfuß - je höher der Absatz, desto mehr. Dadurch ist auch hier die Fußkontaktfläche verkleinert und das Gangbild verändert sich. Das ist unschwer zu erkennen bei Trägerinnen von High Heels, die ja auch gerade das mit dem Tragen dieser Schuhe bezwecken. Trägt man solche Schuhe mit gesunden Füßen nur gelegentlich, ist da auch gar nichts gegen einzuwenden.  Langfristig fördern Schuhe mit Absätzen allerdings die Bildung von Spreizfüßen und Probleme mit den Großzehengrundgelenken.

 

Schnabelschuhe wirken wie zu kleine Schuhe und quetschen den Vorfußbereich. In Schuhen mit dicken Sohlen können die Füße nicht vernünftig abrollen und platschen auf den Boden. In der Regel läuft man in solchen »festen Schuhen« nur über die Ferse. Außerdem knickt man in Schuhen mit harten Sohlen häfiger um, was zu Schäden in Sprung- und Kniegelenken führt.


Die beste und gesündeste Alternative ist das Bafußgehen, so oft wie möglich. Beobachten kann man das übrigens besonders gut bei Kindern. Die ziehen ihre Schuhe am liebsten aus, wenn sie dürfen. Wenn die kleinen Menschen ihre ersten Schuhe bekommen, staksen sie damit zunächst etwas unbeholfen herum, obwohl sie im Wohnzimmer schon prima auf zwei Beinen herumgeflitzt sind. Sie müssen das Gehen in Schuhen erst lernen, weil die Füße sich darin nicht ihrer Funktion entsprechend bewegen können. Außerdem fehlen dem Gehirn plötzlich wichtige sensorische Informationen, weil die Schuhsohlen den so wichtigen Bodenkontakt der Fußsohlen verhindern.



Barfuß nicht einfach drauf los laufen

Wenn du bisher mit normalen Schuhen unterwegs warst und jetzt barfuß laufen möchtest, musst du dein Vorhaben langsam angehen.

WICHTIG: Auch Barfußschuhe sind NICHT für Menschen geeignet, die bisher gar nicht oder nur wenig barfuß gelaufen sind.

 

Deine Füße sind nicht auf die Belastung vorbereitet und müssen sich erst an das Barfußlaufen gewöhnen. Die Sehen, Bänder und Muskeln benötigen Zeit, um sich der Belastung anzupassen. Oder anders ausgedrückt: du musst deine Füße trainieren. Nach den Erfahrungen von Carsten Stark dauert das bei regelmäßigem Barfußlaufen etwa vier bis sechs Monate.

 

Lauf am Anfang nur eine kurze Zeit barfuß bzw. mit den Barfußschuhen und weite deinen Aktionsradius dann immer weiter aus. Wenn du LäuferIn bist, dann starte zunächst im Gehtempo. Übe auf verschiedenen Untergründen: Straßen, Schotterwege, Rasen und lauf auf Feldwegen auch mal in der Mitte. Optimal ist es, wenn du zusätzlich Fußgymnastik betreibst. Anleitungen dazu findest du zum Beispiel in den Büchern von Carsten Stark oder Katy Bowman.

 

Das Barfußlaufen trainiert nicht nur die Fußmuskulatur sondern auch die Waden- und Schienbeinmuskeln sehr viel intensiver. Selbst wenn du ein sehr durchtrainierter Mensch bist wirst, wirst du dich nach den ersten Malen über einen neuartigen Muskelkater wundern, denn im beschuhten Alltag werden viele dieser Muskeln nie beansprucht.

 

Wenn du später mit ersten Laufeinheiten beginnen möchtest, verwende den Barfußschuh zunächst als Zweitschuh. Lauf am Anfang nur wenige hundert Meter am Stück, auch wenn du ein geübert LäuferIn bist. Nach und nach kannst du dich dann an immer längere Etappen heran arbeiten.  Wenn du zu schnell lange Etappen joggst, ist die Gefahr groß, dass du einen Ermüdungsbruch erleidest. Denn deine Fuß-, Schienbein- und Wadenmuskulatur ist noch nicht so kräftig, dass sie deine Füße über längere Zeit ausreichend Stabilisieren kann. Hier solltest du dich nicht überschätzen.

 

5 goldene Regeln für den Umstieg auf die Barfußlauftechnik findest du auch auf den Internetseiten der Barefoot Acadeny.



Was sind Barfußschuhe?

Barfußschuhe werden immer dann eingesetzt wird, wenn du eigentlich ohne Schuhe durchs Leben läufst, du aber nicht barfuß laufen kannst. Das kann verschiedene Gründe haben:

  • Schutz vor Gefahren, wie zum Beispiel Scherben oder anderen spitzen Dingen, die auf deinem Weg lauern könnten.
  • Es dir zu kalt und du brauchst eine Isolation zum Boden und eine wärmende Hülle. Socken sind da weder aus optischen Gründen noch bei Nässe die erste Wahl.
  • Du empfindest barfuß laufen als unpassend. Bei jedem Anlass barfuß aufzukreuzen erfordert Mut, Überzeugung und ein dickes Seblstbewusstsein.

Wenn du Schuhe tragen möchtest oder musst, dann sollten diese deine Füße so wenig wie möglich einschränken. Manchmal werden Barfußschuhe daher auch als "Minimalschuhe" bezichnet. Folgende Kriterien machen einen guten Barfußschuh aus:

  •  Wichtig: Der "Nullabsatz". Ferse und Ballen müssen auf einer Linie sein. Selbst eine winzige Erhöhung im Fersenbereich von nur ein oder zwei Zentimetern verhindert eine gleichmäßige Belastung der Fußsohle und schränkt die Funktion der Füße ein.
  • Die Sohle sollte möglichst und dünn sein, sehr weich und beweglich.
  • Die Innensohle darf keine Stütze oder Polster haben.
  • Der Schuh darf den Fuß im Zehenraum nicht einengen.
  • Der Schuh muss fest am Fuß sitzen.
  • Die Schuhe sollten wenig wiegen.

Je authentischer das Gefühl in den Barfußschuhen ist und je mehr die Bewegung in diesen Schuhen deinem natürlichen Barfußgang entspricht, desto besser ist der Schuh für dich geeignet.

 

Um die richtige Schuhbreite herauszufinden kannst du den Umriss deines nackten Fußes mit gespreizten (!) Zehen auf einem Blatt Papier nachzeichnen. Dann stellst du den Schuh auf die Zeichnung und kannst erkennen, ob der Schuh die Zehenspreizung beim Gehen einschränkt.



Interessante Bücher zum Thema barfußlaufen:

»Füße gut, alles gut. Ganzheitlich gesund ohne Einlagen, Medikamente und OP. Mit extra Tipps zum richtigen Barfußgehen.« Carsten Stark, Südwest Verlag, ISBN 978-3-517-08986-7

 

»Barfuss gehen. Starke Füße für ein gesundes Leben.« Katy Bowman, riva Verlag, ISBN 978-3-7423-0339-4


Hier noch ein paar interessante Links:

barfuß-laufen.net - Alles rund ums Barfußlaufen

barfuuss.net - Freiheit muss man barfuß spüren

Barefoot Academy - dort besonders die Artikel in der Rubrik »Wissen«